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Tariferhöhung in der PKV - Wie Versicherte reagieren können

Thortsen Rudnik ( BdV ) Häufig erhalten Privatversicherte zum Jahreswechsel einen Bescheid über "Beitragsanpassungen", wie es im Branchenjargon etwas schöngefärbt heißt. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten erklärt, wie man eine Erhöhung mit einem Wechsel umgehen kann und was dabei zu beachten ist.



krankenkassenRATGEBER:
Millionen PKV-Versicherte erhalten so gut wie jedes Jahr einen Bescheid über eine Prämienerhöhung. Der BdV schlägt als Ausweg auch einen Tarifwechsel vor. Für wen empfiehlt sich dieser Schritt und für wen nicht ?

T. Rudnik ( BdV):  Wem der Beitrag für seine PKV zu hoch erscheint, der kann einen Tarifwechsel innerhalb seines privaten Krankenversicherers prüfen. Der Versicherer darf bei gleichbleibendem oder schlechterem Versicherungsschutz keine Wartezeiten oder Risikozuschläge verlangen. Außerdem werden die bisher erworbenen Alterungsrückstellungen vollständig mitgenommen. Der Vergleich der bisherigen Tarife mit anderen Tarifvarianten seines Versicherers sollte immer unter Beitrags- und Leistungsgesichtspunkten vorgenommen werden. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass meist mit zunehmendem Lebensalter bessere Leistungen gewünscht werden. Wer diese in späteren Lebensjahren benötigt und wieder in leistungsstärkere Tarife wechseln will, der bekommt die besseren Leistungen oft nicht, weil das aufgrund vorhandener Vorerkrankungen nicht mehr möglich ist. Ein Tarifwechsel ist auch deshalb immer sorgfältig zu prüfen.


krankenkassenRATGEBER:  Besteht generell ein Kündigungsrecht bei einer Erhöhung der monatlichen Versicherungsprämie und wie liegen hier die Fristen ?

T. Rudnik ( BdV): Erhöht der PKV-Versicherer die Beiträge, so kann der Versicherungsnehmer (VN) innerhalb eines Monats nach Erhalt der Erhöhung, spätestens bis zum Wirksamwerden der Beitragsanpassung den Versicherungsvertrag kündigen. Wird die tarifliche Selbstbeteiligung erhöht, so hat der VN ebenfalls ab Zugang dieser Mitteilung die Möglichkeit mit der Frist von einem Monat den Versicherungsvertrag außerordentlich zu beenden.


krankenkassenRATGEBER:  Was ist zu tun, wenn sich die PKV-Gesellschaft gegen einen Tarifwechsel innerhalb des Versicherers sperrt ?

In diesen Fällen können erfahrungsgemäß Schwierigkeiten auftreten. Zwar sträuben sich die Gesellschaften oft einen Tarifwechsel durchzuführen, trotzdem sollte der  Versicherungsnehmer hartnäckig bleiben und auf den Wechsel bestehen. Denn darauf hat er einen Anspruch - geregelt in § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Falls nötig, sollte sich der VN schriftlich an den Vorstand seines privaten Krankenversicherers wenden. Hilft das nicht, kann der VN sich an den Ombudsmann für private Kranken- und Pflegeversicherungen wenden (www.pkv-ombudsmann.de ). Sollte auch dies erfolglos bleiben, könnte er eine Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht einreichen (www.bafin.de ).


krankenkassenRATGEBER:  Gehen die angesparten Alterungsrückstellungen in jedem Fall bei einem Wechsel verloren und kann dieser eindeutige Nachteil durch Vorteile des neuen Tarifes überhaupt wettgemacht werden ?
 
T. Rudnik ( BdV): Es ist zu unterscheiden: Wer bereits schon vor 2009 in der PKV versichert war, der verliert bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter die kompletten Alterungsrückstellungen, die er bis dahin angespart hat. Dagegen nimmt er sie bei einem Tarifwechsel innerhalb seines Krankenversicherers vollständig mit.

Ist der VN allerdings erst seit 2009 in der PKV, dann nimmt er bei einem Unternehmenswechsel anteilig Alterungsrückstellungen zum neuen Anbieter mit. Die Übertragung der angesparten Alterungsrückstellung erfolgt aber lediglich im Umfang des Basistarifs. Bei der Berechnung des Übertragungswertes wird dabei geschaut, wie viel Basistarif steckt in den bisherigen Vollversicherungstarifen. Bei einem Wechsel der Tarife innerhalb seines Krankenversicherers wird aber auch hier die Alterungsrückstellung vollständig berücksichtigt.

Der Wechsel von einem PKV-Versicherer zu einem anderen PKV-Versicherer ist höchst selten eine sinnvolle Lösung. Nur wer erst wenige Jahre privat versichert ist sowie sich bester Gesundheit erfreut, für den kann ausnahmsweise ein Wechsel des Versicherers in Betracht kommen. Ob ein solcher Schritt tatsächlich sinnvoll ist, sollte möglichst im Rahmen einer neutralen und unabhängigen Beratung geklärt werden.
 

krankenkassenRATGEBER:  Welche sonstigen Fallstricke könnte ein Wechsel noch mit sich bringen und wie lassen sich diese umgehen ?

T. Rudnik ( BdV): Bei einem Tarifwechsel innerhalb seines PKV-Versicherers sollte der VN seine bestehenden Tarife dahingehend prüfen, welche Leistungen seine neuen Tarife enthalten sollen, in die er wechseln möchte. Zwar kann der VN seinen Versicherer bitten, dass er ihm alternative Tarife vorschlägt. Das führt jedoch häufig nicht zu sinnvollen Angeboten. Deshalb sollte sich der VN am besten neutral und unabhängig beraten lassen, bevor er seinen Versicherer um Alternativangebote bittet. Ein Leistungsvergleich der Tarife ist unerlässlich und sollte auch berücksichtigen, dass mit zunehmenden Alter meistens ein größerer Leistungsumfang wichtig wird.

Jeder VN sollte sich – vor einem Tarifwechsel - auch damit beschäftigen, ob er bereit wäre Risikozuschläge und Wartezeiten oder Leistungssauschlüsse zu akzeptieren, falls der angestrebte neue Tarif höhere oder umfassendere Leistungen als seine bisherigen Tarife beinhaltet. Weiterhin sollte er sich die Frage stellen, ob er mögliche Risikozuschläge und Wartezeiten verhindern will, in dem er für die Mehrleitungen einen Leistungsausschluss vereinbart, damit er einen Tarifwechsel vollziehen kann.

Für den Wechsel des PKV-Versicherers, der nur ausnahmsweise eine geeignete Lösung darstellen kann, ist die vorherige neutrale und unabhängige Beratung unentbehrlich. Zusammen mit dem Berater sollte ein Anforderungsprofil an Leistung und Versicherer erarbeitet werden. Würde im Einzelfall tatsächlich der Wechsel des Versicherers sinnvoll sein, wird die Kündigung beim bisherigen PKV-Versicherer erst wirksam, wenn der VN diesem innerhalb der Kündigungsfrist den Nachweis eines neuen PKV-Vertrages bei einem anderen Anbieter nachweist. Dieser Vertrag muss der gesetzlichen Versicherungspflicht genügen (mindestens Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung mit maximal 5.000 Euro Selbstbeteiligung im Jahr).

 

 

 

 
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Startseite arrow Privat versichert arrow Private Absicherung arrow Tariferhöhung in der PKV - Wie Versicherte reagieren können  10:52    20.03.2019