Zahnärzteorganisationen kritisieren stern-Zahnarztstudie
09.12.2011, Erst kürzlich ist eine von der ERGO Direkt Versicherung und dem stern in Auftrag gegebene Studie erschienen, die den Befund- und die Beratungssorgfalt des niedergelassenen Zahnarztes genauer unter die Lupe nahm – die Studie offenbarte Erschreckendes: Jeder dritte Befund war falsch, die Therapie Empfehlung oft wertlos. In rund 35 Prozent der Praxen hätte der Befund des Zahnarztes zudem zu einer Unter- oder Überversorgung des Patienten geführt, so das Ergebnis der Studie: So erkannten einige Zahnärzte Karies zum Beispiel nicht, andere dichteten sie dem Patienten an.
Ein Ergebnis, das zeigt, dass man die Wahl des Zahnarztes zukünftig besser überdenken sollte: „Denn die Zeche für schlechte Arbeit zahlt am Ende immer der Kunde. Er muss häufiger zum Zahnarzt, es wird teurer. Irgendwann müssen dann die Versicherungen die Tarife erhöhen, weil immer mehr unnötige Rechnungen eingereicht werden.“, so Peter Martin Endres, Vorstandsvorsitzender der Ergo Direkt.
Studie verunsichert Patienten und verunglimpft den Berufsstand
Die Bundesärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) sind schockiert und ziehen ein gemeinsames Fazit: Die nicht repräsentative Studie zur Beratung in deutschen Zahnarztpraxen verunsichert die Patienten und verunglimpft den ganzen Berufsstand.
„Wir werden diese Studie genau prüfen. Die vorgelegten Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen können wir nicht nachvollziehen“, so der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel.
Für die KZBV wirft die Studie mehr Fragen auf als sie hilfreiche Antworten gibt: „Diese einseitig angelegte Studie hilft erst einmal niemandem. Untersuchungsziel und Untersuchungsvorgehen passen fachlich nicht zusammen. Dennoch nehmen wir diesen Rundumschlag gegen den gesamten Berufsstand ernst – und natürlich kann jeder von uns noch immer etwas besser machen. Aber wir sind stolz auf unsere Leistungsstärke, die das anerkannt hohe Versorgungsniveau erst ermöglicht. Und wir wissen: Unsere Patienten wissen das auch.", sagte der Vorsitzende des Vorstandes der KZBV, Dr. Jürgen Fedderwitz zum aktuellen stern-Titel.
Die Zahnärzteorganisationen kritisieren die einseitige Ausrichtung und die pauschalen Schlussfolgerungen dieser Studie. Dr. Fedderwitz: „Schade, dass man uns vorab nicht hören wollte. So bleibt der fade Beigeschmack, dass hier nur einseitige Interessen verfolgt werden. Damit wird schnell jegliches seriöse Anliegen entwertet."
Weitere News zum ThemaWeiter Bericht zum Thema