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„Mit der neuen Karte direkt zum Arzt gehen“

2004 wurde die Europäische Krankenversicherungskarte eingeführt, auch European Health Insurance Card (EHIC) genannt. Sie erleichtert den Arztbesuch bei vorübergehendem Aufenthalt in einem anderen EU-Land sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Über die praktischen Erfahrungen mit der EHIC berichtet Elisabeth Reker, Europaexpertin des AOK-Bundesverbandes im Interview.

krankenkassenRATGEBER: Welches Fazit können Sie nach zweijähriger Laufzeit der Europäischen Krankenversicherungskarte ziehen?

Mit der Einführung der Europäischen Karte ist die Behandlung für gesetzlich Krankenversicherte bei vorübergehendem Aufenthalt in den oben genannten Ländern viel einfacher geworden.

Der große bürokratische Aufwand, der zuvor mit dem Auslandskrankenschein E 111 verbunden war, wurde damit abgeschafft. 

Was genau hat sich verändert?

Versicherte, die vor dem 1. Juli 2004 in ein europäisches Land fuhren, mussten sich zuvor bei ihrer Krankenkasse einen Auslandskrankenschein E 111 abholen. Wenn dann im Ausland ein Arztbesuch notwendig wurde, war zudem in manchen Ländern (z.B. Griechenland, Italien) zuvor der Besuch bei der Krankenversicherung vor Ort notwendig. Dort erhielten Versicherte im Austausch gegen den Auslandskrankenschein eine Art Versichertennachweis. Damit war die Behandlung beim Arzt möglich. Die neue Karte macht all diese Gänge nicht mehr notwendig. Es gilt das auf der Karte aufgedruckte Gültigkeitsdatum. Mit der neuen Karte kann man im Ausland nun direkt zum Arzt gehen und die Behandlung in Anspruch nehmen.

Wie erhält der Versicherte die Europäische Karte?

Wer eine Auslandsreise plant, sollte die Europäische Karte rechtzeitig bei seiner Krankenkasse beantragen. Dann bekommt er die Karte zugesandt, entweder auf der Rückseite der normalen Krankenversichertenkarte oder als separate Karte. Wer die Kasse kurzfristig wechselt, oder seine Europäische Karte verliert oder sie gestohlen wird, erhält eine provisorische Ersatzbescheinigung. Diese wird auch beim Arzt anerkannt.

Welche Probleme können trotz der Europäischen Karte auftreten?

In allen o.g. Ländern besteht Krankenversicherungsschutz im Rahmen der dortigen Bestimmungen, d.h. die Versicherten haben grundsätzlich Anspruch auf alle medizinisch notwendigen Leistungen, die nicht bis zur Rückkehr nach Deutschland aufzuschieben sind und die auch einem Versicherten des Gastlandes zustehen würden. Im Krankheitsfall ist ein Arzt oder eine Klinik aufzusuchen, die dem gesetzlichen Krankenversicherungssystem des Aufenthaltsstaats angehört. Die Abrechnung der Behandlungskosten erfolgt dann direkt zwischen der ausländischen und der deutschen Krankenkasse Wenn sich der Versicherte zu einem Privatarzt oder in eine private Einrichtung begibt, gelten diese Vorteile der EHIC für ihn nicht. Eine Behandlung dort ist zwar ebenfalls möglich, die Kosten hierfür muss der Versicherte jedoch zunächst selbst tragen. In Deutschland bekommt der Versicherte dann gegen Vorlage der Rechnung die Kosten maximal in Höhe der in Deutschland geltenden Vertragssätze erstattet. Sofern es für Versicherte im Einzelfall günstiger ist oder der Rechnungsbetrag 1.000 Euro überschreitet, kann auch eine Erstattung in Höhe der im jeweiligen Aufenthaltsstaat geltenden Vertragssätze erfolgen. Allerdings ist die Privatrechnung manchmal höher als der Betrag, den der Versicherte von seiner Kasse zurückerhält.

Ferner ist zu beachten, dass ein Krankenrücktransport in die Heimat generell nicht durch die gesetzliche Krankenversicherung und damit auch nicht durch die EHIC abgedeckt ist.

Deshalb empfehlen die AOKs immer eine zusätzliche private Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Die AOKs halten in Zusammenarbeit mit privaten Versicherern entsprechende Angebote zu günstigen Gruppentarifen für ihre Versicherten bereit.

Die konkreten Regelungen über die Inanspruchnahme und den Umfang der Leistungen sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Welche Leistungen in dem jeweiligen Land eingeschlossen sind und welche Ärzte dem gesetzlichen Gesundheitssystem unterstellt sind, erfährt man auf den Internetseiten der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (www.dvka.de). Dort gibt es für jedes Land spezifische Merkblätter mit den wichtigsten Informationen.

Was ändert sich mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte im kommenden Jahr?

Die separate EHIC ist eine Übergangslösung. Wenn die neue elektronische Gesundheitskarte eingeführt wird, enthält diese auf der Rückseite automatisch die europäische Karte.

Das Interview führte Julia Rauschenbach für den krankenkassenratgeber 02/2006.

 

 
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