Startseite
Gesundheit
Arzt und Patient
Medikamente und Co
Gesetzlich versichert
Privat versichert
Service
Webmastertools
Impressum
Sitemap
News:    

Interview mit Renate Künast: Die Dickmacher

Renate Künast, hat das Buch „Die Dickmacher“ veröffentlicht, das sich mit dem Thema Fitness und Gesundheit insbesondere im Jugendalter beschäftigt. Wir haben Sie dazu befragt.

krankenkassenRATGEBER: Frau Künast, Sie schreiben in Ihrem Buch die "Dickmacher" Ernährungsbildung sollte in den Schulen auf dem Lehrplan stehen. Warum?

Ernä so könnte man fast sagen, ist das A und O für ein gesundes und glückliches Leben. In der Schule lernen wir Sprachen, Wurzelziehen und mit Logarithmen umgehen, aber wir lernen zu wenig darüber, wie der eigene Körper funktioniert. Wir reden über eine Wissensgesellschaft in Deutschland und in Europa. Nun gehört für mich zum Kern dazu, zu verstehen: Wie ernähre und versorge ich meinen Körper gesund? Alles das ist die Basis dafür, dass Kinder und Jugendliche sich gut entwickeln und eben nicht frühzeitig durch Ü und durch chronische Erkrankungen belastet werden.

Stevia Laden Werbung

Was gehört aus Ihrer Sicht in die Brotbüchse unserer Kinder?

Irgendein Obst und Gemüse, das zu den Vorlieben gehört und ein Stück Vollkornbrot mit etwas drauf, was die Kinder mögen, das ist das Minimum. Wenn noch Platz ist, würde ich fast alles erlauben.

In Ihrem Buch schreiben Sie und dies belegen auch aktuelle Studien, dass sich der Nachwuchs nur unzureichend bewegt. Wo sehen Sie die Ursachen?

Der Lebensstil der Kinder hat sich verändert. Seit den 80er Jahren haben viele Kinderzimmer in Deutschland ihren eigenen Fernseher. Dazu kommt der PC, der die Kinder auf ihren Stühlen festhält. Viele Kinder sehen 4 Stunden am Tag fern. Man könnte es auch so sagen: die Medien und die Softwareindustrie bemühen sich intensiv, die Kinder in einer bewegungslosen Haltung verharren zu lassen. Auf der anderen Seite gibt es viel zu wenig bewegungsaktive Erziehung in der Schule. Kinder lernen zu wenig, Spaß an einer bestimmten Bewegungs- und Sportart zu finden und auch das Miteinander beim Bewegen zu erfahren.

Wir stellen ausserdem fest, dass unsere Städte nicht kindergerecht gebaut sind. Kinder die aus dem Schippchen- und Förmchenalter heraus sind, finden wenig Orte, an denen sie toben und sich bewegen können. Es ist also auch die Stadtplanung gefragt.

Wie sehen die Folgen aus, wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen?

Alle reden darüber, dass wir Europa zu einer Wissensgesellschaft, zu einer Wissensökonomie ausbauen müssen. Es gibt aber viele Menschen in dieser Republik, die überhaupt nicht so ausgebildet werden, dass sie an dieser Wissensgesellschaft teilhaben können. Zu den Basiskompetenzen gehört für mich das Wissen darüber, wie der Körper funktioniert. Fehlernährung bei Kindern hat zwei Seiten: es gibt die, die zu wenig essen weil schlecht für sie gesorgt wird oder weil sie magersüchtig sind und es gibt die, die zuviel essen und dick werden. Beides führt dazu, dass sie schlechter lernen und schlechtere Startchancen im Leben haben.

Und dann kommt natürlich ein Problem oben drauf: Es gibt keine Gesundheitsreform die die aus Fehlernährung resultierenden chronischen Erkrankungen wird bezahlen können. Es ist ja jetzt schon so, daß Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen bei Kindern zunehmen. Aus diesen Kindern werden kranke Erwachsene. Deshalb wollen wir mit viel Prä und die muss eben in der Schule mit der Wissensvermittlung anfangen, dafür Sorge tragen, dass diese Krankheiten gar nicht erst entstehen.

Was wollen Sie mit Ihrem Buch "Die Dickmacher" erreichen?

Ich will etwas zum nachdenken anregen. Wir haben vor 15 Jahren über den demografischen Wandel geredet, um zu erkennen was das eigentlich alles bei den Sozialkassen und für die Gesellschaft an Veränderungen bedeutet. Genauso müssen wir heute über das Problem Ü reden. Mit dem Buch will ich besonders auf den Gerechtigkeitsaspekt hinweisen. Ü betrifft überproportional Kinder aus sozial schwachen Familien und Familien mit Migrationshintergrund. Diese Kinder müssen auch gute Startchancen im Leben bekommen und dazu gehört auch die Fähigkeit, mit ihrem Körper umzugehen.
Ich möchte zeigen, wie Essen aufgehört hat, Ernä des Körpers zu sein und zum Lustgewinn, zum Freizeitspaß und zur Begleitmusik von anderen Tätigkeiten geworden ist. Und ich will Wege aufzeigen, das Problem Ü zu ändern.

Wichtig ist mir, dass es um einen ganzheitlichen Ansatz geht, also vom Kindergarten über die Schulen, über die Freizeit bis zur Stadtentwicklung. Natürlich müssen auch die Softwareindustrie und die Lebensmittelwirtschaft Ihren Beitrag leisten. Kinder dürfen nicht vor dem Bildschirm festgehalten oder dauernd mit hochangereicherten Lebensmitteln beglückt werden.

Das Interview führte Torsten Leidloff für den krankenkassenratgeber 04/2004.

Zum Weiterlesen:

Die DickmacherDie Dickmacher“ von Renate Kühnast erschienen im Goldmann Verlag 2006. (weitere Informationen zum Buch erhalten Sie, wenn Sie mit der Maus über das Buchcover gehen, bzw. dies anklicken)

 

 
Suche

Krankenkassenrechner
Vergleichen Sie alle gesetzl. Krankenkassen in Ihrem Bundesland
Anzeigen
Startseite arrow Gesundheit arrow Kinder arrow Interview mit Renate Künast: Die Dickmacher  17:29    24.11.2017