Startseite
Gesundheit
Arzt und Patient
Medikamente und Co
Gesetzlich versichert
Privat versichert
Service
Webmastertools
Impressum
Datenschutz
Sitemap
News:    

Im Interview: Werner Wedig - Vorstand der salvina BKK

Werner Wedig - salvina BKK20.04.2009

Seit Januar 2009 gibt es eine gesetzliche Krankenkasse für Frauen. Unter dem Namen BKK salvina ist sie für Versicherte in Bayern,  Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern geöffnet. Worin sie sich von "normalen" Kassen unterscheidet und welche extra-Leistungen für Frauen im Angebot sind, wollten wir von Vorstand Werner Wedig wissen. 

Krankenkassenratgeber: Welche gesundheitspolitischen und medizinischen Erkenntnisse führten zur Gründung einer gesetzlichen Krankenkasse für Frauen?

W.Wedig: Frauen und Männer im mittleren Lebensalter unterscheiden sich deutlich in ihrem Gesundheitszustand. Nach und nach wird diese geschlechterspezifische Sichtweise auch im Medizincurriculum berücksichtigt.Die Unterschiede sind allerdings nur zu einem Teil auf biologische Unterschiede zurückzuführen. Vielmehr sind unterschiedliche Sozialisationsbedingungen, ein differenter Umgang mit dem eigenen Körper sowie unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen Faktoren, die die Gesundheit/Krankheit beeinflussen. Die salvina hält es für gesundheitspolitisch notwendig, diese schon seit Jahren bekannten Erkenntnisse konzentriert und spezifisch anzugehen. Die Zeit für eine Frauenkrankenkasse war einfach reif.

Krankenkassenratgeber:
Viele große gesetzliche Kassen treten mit dem Anspruch auf, für die ganze Familie da zu sein. Wo sehen Sie konkret Versorgungslücken für Frauen im GKV-System?

W.Wedig: Wir glauben, dass sich z.B. im Bereich Schwangerschaft und Geburt in den letzten Jahren Vieles verbessert hat. Trotzdem ist das Bedürfnis insbesondere von Frauen nach ergänzenden und unabhängigen Informationen und Beratung riesengroß.Einen Schwerpunkt unserer Arbeit sehen wir demnach in einer differenzierten und frauenbezogenen Information. Wir wollen weiterhin, dass z.B. Themen wie Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel, Migräne, Kontaktallergien, Osteoporose als frauenspezifische Gesundheitsprobleme diskutiert werden. Hier haben wir eigentlich keine Versorgungslücken, sondern eine andersartige, spezifisch weibliche Bedürfnislage. Diese drückt sich z.B. in dem Wunsch nach Verbesserung der Prävention, der Früherkennung und nach einer innovativeren Nachsorge aus.

Krankenkassenratgeber: Welche Gesundheitsleistungen der salvina BKK richten sich explizit an Frauen?

W.Wedig: Nur Beispielhaft: Verbesserte Früherkennung bei Brust- und/oder Eierstockkrebs, Verbesserte Osteoporosebehandlung, Schulungen bei Schwangerschaftsdiabetes, Projekte zur Gewaltprävention. Wichtig ist uns die Weiterentwicklung im Rahmen unserer Philosophie der Kooperation und Partizipation. D.h., neue Versorgungsformen werden nicht am grünen Tisch, sondern unter Beteiligung der Betroffenen entwickelt. Dazu greifen wir die Anregungen und Forderungen von z.B. Selbsthilfegruppen, Patientinnenverbänden, medizinischen Fachgesellschaften usw. auf.

Krankenkassenratgeber: Frauen interessieren sich stärker für alternative und natürliche Heilmethoden. Inwiefern können Sie als gesetzliche Krankenkasse dem gerecht werden?

W.Wedig: Tatsächlich haben Frauen ein anderes Empfinden darüber, was gut für ihre Gesundheit ist. Unser Ziel ist es, dafür ein Bewusstsein zu schaffen und die Regelversorgung an der Stelle weiterzuentwickeln. So ist z.B. die sog. Hormonersatztherapie in den Wechseljahren in bestimmten Situationen angezeigt. In vielen Fällen ist dies aber eine unnötige Medikalisierung und durch alternative und natürliche Aktivitäten ersetzbar. Darüber wollen Frauen mit ihrer Ärztin und ihrem Arzt sprechen können. Der Zeitrahmen muss über eine geänderte Honorierung geschaffen werden.

Krankenkassenratgeber: Wo legen Sie die Schwerpunkte bei den Präventions- und Gesundheitsprogrammen? Gibt es Unterschiede zu „normalen“ Krankenkassen?

W.Wedig: Die Schwerpunkte richten sich nach dem erkennbaren Bedarf unserer Kundinnen. Dabei bilden die eher sanften Aktivitäten den Kern unserer Programme (also z.B. Yoga, Entspannung). Auch sind Frauen eher Teamspielerinnen, deshalb steht oft der Gruppenansatz im Vordergrund. Unsere betrieblichen Programme gehen auf die individuelle Situation der Frau am Arbeitsplatz ein.

Krankenkassenratgeber: Frauen haben statistisch gesehen die größeren Gesundheitsrisiken, weshalb eine PKV für Frauen ungleich teurer im Beitrag ist. Kann eine gesetzliche Krankenkasse „wirtschaftlich“ arbeiten, die ausschließlich weibliche Mitglieder hat oder muss es dafür Abstriche bei anderen Leistungen geben?

W.Wedig: Unser Thema ist nicht die statistische Relevanz von Gesundheitsrisiken, sondern der Einsatz für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Frauen. Das geht ohne Abstriche bei anderen Leistungen. Und eine bessere Versorgung ist allemal wirtschaftlich.

Krankenkassenratgeber: Bislang ist die salvina nur in drei Bundesländern zugelassen. Sehen Sie Chancen auf eine bundesweite Öffnung?

W.Wedig: Natürlich ist unser Ziel eine bundesweite Öffnung zu erreichen. Unter den Bedingungen des Gesundheitsfonds mit einheitlichem Beitragssatz halten wir deshalb die Vorschriften des Sozialgesetzbuches zu den regionalen Kassenzuständigkeiten und Begrenzungen für obsolet, unnötig und sehr wettbewerbsfeindlich. Dies muss jetzt geändert werden.

 

Das Interview führte Jörg Wunderlich
 

Alle Infos zur salvina BKK im Kassenprofil


 

 
Weitere Berichte zum Thema:.

 
Suche

Anzeigen
Startseite arrow Gesetzlich versichert arrow Im Interview arrow Im Interview: Werner Wedig - Vorstand der salvina BKK  01:51    23.01.2019