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Im Interview: Prof. Dr. Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse

Prof. Dr. Klusen14. Mai 2012

Zum 1. Juli 2012 verabschiedet sich Professor Dr. Norbert Klusen, der seit 1996 Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse (TK) ist, in den Ruhestand. Im Interview mit krankenkassenRATGEBER erklärt Prof. Dr. Norbert Klusen, wie er seine Zeit als Vorstand erlebt hat und was er sich für die TK und für das Krankenkassensystems allgemein zukünftig wünscht.



krankenkassenRATGEBER:
Wenn Sie zum 1. Juli in den Ruhestand gehen, was lässt sich rückblickend über die 16 Jahre im Vorstand der TK sagen?

Prof. Dr. Klusen: Es waren spannende Jahre, die von stetiger Weiterentwicklung geprägt waren − sowohl für die Techniker Krankenkasse als auch für mich persönlich. Ich hatte die Chance, viel gestalten zu können. Heute ist die TK ein Unternehmen, von der Art ihrer Führung bis hin zum Selbstverständnis der Mitarbeiter. Der Markterfolg zeigt, dass dies der richtige Weg war. Natürlich habe ich mich zuweilen auch geärgert − dann aber meistens über die Irrationalität des Systems.

krankenkassenRATGEBER: Welche Veränderungen im Gesundheitssystem haben die TK im Laufe dieser Zeit entscheidend geprägt?

Prof. Dr. Klusen: Eine zentrale Entwicklung in dieser Zeit war zweifellos die stärkere Wettbewerblichkeit im Gesundheitssystem − nicht nur bei den Krankenkassen, sondern (später) auch bei Teilen der Leistungsanbieter. Die Patienten sind ebenfalls souveräner geworden, sie hinterfragen mehr und wollen stärker in Entscheidungen einbezogen werden. Diese Veränderungen hat die TK immer positiv begleitet und ist daher auch selbst immer in Bewegung geblieben. Schließlich geht es darum, als moderner Gesundheitsdienstleister schnellere und bessere Angebote machen zu können als die Wettbewerber. Überwiegend scheint uns das gelungen zu sein.

krankenkassenRATGEBER: Die Attraktivität der Techniker Krankenkasse ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Worin liegt dies Ihrer Meinung nach vor allem begründet und welche Vorteile hat die TK gegenüber anderen gesetzlichen Krankenkassen?

Prof. Dr. Klusen: Die TK hat sich als erste Krankenkasse als Unternehmen verstanden und den Wettbewerb als Instrument für die Suche nach der besseren Lösung und damit als Chance begriffen. Die Folgen sind eine konsequente Ausrichtung am Kunden und das Bewusstsein, dass man kontinuierlich hart an sich arbeiten muss, dass man also gewissermaßen nie fertig ist. Ich glaube, dass unsere Kunden dies spüren oder zumindest das Ergebnis dieser Haltung zu schätzen wissen.

krankenkassenRATGEBER: Haben Sie mit Dr. Jens Baas einen würdigen Nachfolger gefunden?

Prof. Dr. Klusen: Herr Dr. Baas ist nicht nur ein sehr erfahrener Experte, sondern eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit. Ich bin sicher, dass die Techniker Krankenkasse unter seiner Führung und im Zusammenspiel mit seinen Vorstandskollegen Thomas Ballast und Frank Storsberg sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken kann.

krankenkassenRATGEBER: Welche Veränderungen bringt der neue Vorstand auch im Hinblick auf das Leistungsspektrum der TK mit sich?

Prof. Dr. Klusen: Natürlich wird der neue Vorstand eigene Akzente setzen, daher werde nicht ich Ihnen diese Frage beantworten, sondern Sie müssten sie den neuen Vorständen stellen. Aber Sie dürfen sicher davon ausgehen, dass sich das Leistungsspektrum und das Versorgungsangebot der TK weiterhin konsequent an den Versichertenbedürfnissen und an den medizinischen Entwicklungen ausrichten werden.

krankenkassenRATGEBER: Was würden Sie sich für das Krankenkassensystem allgemein und insbesondere für die TK zukünftig wünschen?

Prof. Dr. Klusen: Für das Gesundheitssystem in Deutschland wünsche ich mir mehr Wertschätzung − nicht nur von den Versicherten, sondern auch von Politikern. Das Gerede "Wir bezahlen einen Mercedes und fahren einen Golf" ist wirklich dummes Zeug. Wir stellen 70 Millionen gesetzlich Versicherten in diesem Land moderne Medizin zur Verfügung, und ihr eigener Beitrag richtet sich nach ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Die Kombination aus exzellenter Gesundheitsversorgung und breitem Zugang für die Menschen ist international einzigartig. Darauf sollten wir ein wenig stolzer sein. Für die TK wünsche ich mir natürlich, dass sie weiterhin eine große Zahl zufriedener Kunden hat und Motor im Gesundheitssystem bleibt.

krankenkassenRATGEBER: Finden Sie es richtig, dass Gesundheitsminister Daniel Bahr die Krankenkassen dazu zwingen will, eine Prämie auszuschütten? Zieht die TK in Erwägung der Forderung nachzukommen?

Prof. Dr. Klusen: Krankenkassen sind Dienstleistungsunternehmen, die im harten Wettbewerb untereinander stehen. Glauben Sie mir: Zu sinnvollen Maßnahmen, die gut für die eigenen Kunden sind, muss man solche Unternehmen nicht zwingen. Wir sind nach Abwägung des Für und Wider zu der Auffassung gekommen, dass unsere Mitglieder von Beitragsstabilität mehr haben als von einer kleinen Prämie, die sie auch noch versteuern müssten. So können wir unseren Kunden in Aussicht stellen, bis einschließlich 2014 ohne Zusatzbeitrag auszukommen. Die gegenwärtige Diskussion zeigt, dass die Beitragshoheit bei den Krankenkassen wieder am besten aufgehoben wäre.

krankenkassenRATGEBER: Aus welchen Gründen halten Sie eine Privatisierung der GKV für erforderlich – ist unser duales Gesundheitssystem wirklich so krank?

Prof. Dr. Klusen: Der Begriff "Privatisierung" führt in die Irre und hat dann leider Zeitungsüberschriften wie "Kassen an die Börse?" zur Folge. Mir geht es darum, einer ideologischen Debatte Fakten entgegenzustellen − nämlich der Frage, ob es möglich und sinnfällig ist, Krankenkassen statt als Körperschaft öffentlichen Rechts in einer privaten Rechtsform zu führen, zum Beispiel als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Dann würde die Krankenkasse dem Kunden gehören. Meiner Meinung nach könnten die Krankenkassen und damit auch unmittelbar ihre Kunden von einer größeren Staatsferne profitieren und auch von verbesserten Möglichkeiten, Leistungen bedarfsgerecht einkaufen zu können. Unser System ist nicht krank, es könnte aber flexibler werden.

krankenkassenRATGEBER: Glauben Sie, dass derartige Veränderungen den Wettbewerb unter den Krankenkassen wieder ankurbeln können?

Prof. Dr. Klusen: Der Wettbewerb ist − mit Ausnahme des Faktors "Preis" − auch heute in vollem Gange. Die Krankenkassen schauen heute viel intensiver auf die Erwartungen ihrer Kunden als noch vor zehn oder 15 Jahren. Die Angebotsportfolios der einzelnen Kassen unterscheiden sich stärker, und die Diversifizierung nimmt weiter zu. Die Gleichung "privat = Wettbewerb" ist zwar populär, in ihrer Absolutheit aber falsch: Die private Krankenversicherung, die fast nur Akquise-Wettbewerb um Neukunden kennt und sich kaum um die Bindung ihrer Bestandskunden kümmern muss, ist das beste Beispiel dafür: ein warmes Nest, von wettbewerblichen Unbequemlichkeiten weitgehend frei.

krankenkassenRATGEBER: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Werden Sie sich gänzlich zur Ruhe setzen?

Prof. Dr. Klusen: Ich werde es genießen, nach so vielen Jahren die Verantwortung in andere Hände abzugeben, aber ganz untätig werde ich sicher nicht sein: Zum Beispiel werde ich meine Lehrtätigkeit an der Leibniz Universität Hannover und an der Westsächsischen Hochschule Zwickau fortführen, und bei Bernotat & Cie. werde ich als Mentor für Manager tätig sein.



Das Interview führte Constanze Dewald

 
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