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Im Interview: Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer

Image22. Dezember 2011

Die neue Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) wird oft allgemein mit einer Erhöhung der Zahnärztehonorare gleichgesetzt – doch diese Pauschalierung ist schlichtweg falsch: Dr. Peter Engel, der Präsident der Bundeszahnärztekammer erklärt im Interview, was sich tatsächlich ändert und wo Sie mit Mehrkosten rechnen müssen.

krankenkassenRATGEBER: Die neue Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) wird oft allgemein mit einer Erhöhung der Zahnärztehonorare gleichgesetzt. Dementsprechend wird behauptet, dass die Patienten 2012 mit erheblichen Mehrkosten bei Zahnarztbehandlungen zu rechnen haben. Doch was genau wird in der GOZ geregelt und für wen gilt sie?

Dr. Peter Engel: Erst einmal: Für sogenannte Kassenpatienten ändert sich nichts an der zahnmedizinischen Grundversorgung. In Deutschland sind zwei Krankenkassensysteme etabliert, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV). Die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) regelt die Abrechnung von zahnärztlichen Leistungen für sogenannte „Privatpatienten“. Das sind etwa 10 Prozent aller Patientinnen und Patienten in Deutschland.

Gesetzlich Versicherte betrifft die GOZ nur in ganz bestimmten Fällen. Zum Beispiel dann, wenn Leistungen außerhalb des Leistungskatalogs ihrer Krankenkasse gewünscht werden. Wenn etwa auf Patientenwunsch eine ästhetisch anspruchsvolle Kunststofffüllung statt Amalgam für die Zahnbehandlung gewählt wird. Die GOZ betrifft dementsprechend vorwiegend nur die Zuzahlung für gewünschte höherwertige Leistungen.

krankenkassenRATGEBER: Kommt es tatsächlich zu einer kräftigen Erhöhung der Zahnarzthonorare – mit welchen Mehrkosten müssen die Patienten nächstes Jahr bei ihrem Zahnarztbesuch rechnen?

Dr. Peter Engel: Die Gebührenordnung für Zahnärzte mit einer pauschalen Erhöhung der Zahnarzthonorare gleichzusetzen, ist schlichtweg falsch. 70 Prozent der Leistungen in der Gebührenordnung sind völlig gleich geblieben. Wie bereits beschrieben, ändert sich gar nichts an allen Behandlungen, die durch die gesetzliche Krankenkasse erstattet werden. Falls sich Patienten darüber hinaus für eine anspruchsvollere oder ästhetischere Lösung entscheiden sollten, kann es zu Kostensteigerungen kommen. So rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit einer finanziellen Mehrbelastung für Patientinnen und Patienten von lediglich 2 Euro – pro Jahr und Haushalt. Im Übrigen fällt ein großer Anteil der Kosten einer Zahnbehandlung auf die Labor- und Materialkosten, davon hat der Zahnarzt gar nichts.

krankenkassenRATGEBER: Warum war die Novellierung der Gebührenordnung notwendig?

Dr. Peter Engel: Die GOZ wurde zuletzt 1987 aktualisiert. In den letzten 23 Jahren hat sich in der Wissenschaft viel getan. Etliche moderne Behandlungsmethoden sind mittlerweile möglich. Diese waren in der völlig veralteten GOZ aus den Achtziger Jahren nicht aufgeführt. So sind in der neuen Gebührenordnung z.B. weiße Füllungen, sogen. Composites, die professionelle Zahnreinigung, Implantate und andere fortschrittliche Behandlungsmöglichkeiten jetzt enthalten.

krankenkassenRATGEBER: Oftmals werden in der Presse nur die Nachteile kommuniziert, doch welche Vorteile bringt die Novellierung für die Patienten?

Dr. Peter Engel: Da viele moderne Behandlungsmethoden in der alten GOZ nicht aufgeführt waren, war der Zahnarzt gezwungen, diese Leistungen mit ähnlichen, sogenannten „analogen“ Leistungen, in der Abrechnung zu umschreiben. Dies war für den Patienten oftmals schwer verständlich und führte auch immer wieder zu Erstattungsschwierigkeiten zwischen Patienten und ihrer Versicherung. Die Zahnärzte haben sich dafür eingesetzt, dass die völlig veraltete GOZ endlich modernisiert und an den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Zahnmedizin angepasst wird. Gleichzeitig forderte der zahnärztliche Berufsstand die Berücksichtigung neuer und innovativer Behandlungsmethoden sowie mehr Transparenz und Rechtssicherheit zwischen Patienten, Versicherungsträgern und Zahnärzten. Leider hat die Regierung dies nur zögerlich realisiert.

krankenkassenRATGEBER: Von Seiten der Zahnärzte wird die neue Gebührenordnung zwar als ein Schritt in die richtige Richtung angesehen, aber die Veränderungen sind noch keineswegs zufriedenstellend. Welche Faktoren müssten im Sinne der Zahnärzte noch bedacht werden?

Dr. Peter Engel: Die Aktualisierungen waren leider halbherzig, sie orientieren sich viel zu wenig am wissenschaftlichen Stand der Zahnheilkunde und ignorieren zudem die Kostenentwicklungen der letzten Jahre. Der sogenannte Punktwert wurde trotz der immensen Kostensteigerungen seit 1987 nicht erhöht. So wurde der GOZ Punktwert nicht einmal an den Punktwert der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) angepasst und damit die unterschiedliche Bewertung der Leistungen von Ärzten und Zahnärzten beibehalten. Man hätte mit der Aktualisierung die Chance gehabt, seltsame Bürokratieschablonen zu ändern. Der Politik ist anscheinend der Atem ausgegangen.

 

 
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