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Im Interview: Björn Hansen, Vorstand der BKK Wirtschaft & Finanzen

Björn Hansen11. Januar 2012

Eine gute Nachricht für Versicherte der BKK Wirtschaft & Finanzen: Auch 2012 kann die gesetzliche Krankenkasse eine Prämie ausschütten – dieses Jahr in Höhe von 72 Euro. Im Interview erklärt der Vorstand, Björn Hansen, wer mit welcher Prämie rechnen kann und auf welche positiven Neuerungen sich die Versicherten zudem zukünftig noch freuen können.

krankenkassenRATGEBER: Da die BKK Wirtschaft & Finanzen bereits über die gesetzlich höchstmöglichen Rücklagen und Betriebsmittelreserven verfügt, ist sie auch 2012 in der Lage eine einkommensunabhängige Prämie an ihre Versicherten auszuzahlen. Worin liegt diese positive Finanzsituation begründet?

Björn Hansen: Unsere Einnahmen werden auch im kommenden Jahr die zu erwartenden Ausgaben übertreffen, da vor allem unsere tatsächlichen Leistungsausgaben unterhalb der standardisierten Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds liegen. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts dürfen wir nur bedingt Vermögen aufbauen, also jene von Ihnen angesprochenen Rücklagen und Betriebsmittelreserven. Wir sind daher verpflichtet, nicht benötigte Einnahmen in Form einer Prämienzahlung wieder an unsere Mitglieder auszuschütten.

krankenkassenRATGEBER: Im Vergleich zum Jahr 2011 wird die Prämie für die Versicherten mit 72 Euro im kommenden Jahr um 12 Euro höher sein – ein Bonbon für die Versicherten. Wie wurde diese Erhöhung möglich?

Björn Hansen: Letztlich ist die Erhöhung der Tatsache geschuldet, dass wir rein rechnerisch für 2012 im Vergleich zur 2011 ein noch besseres betriebswirtschaftliches Ergebnis erzielen werden. An diesem beteiligen wir unsere Versicherten daher gerne mit einer Erhöhung der Prämie von 60 auf 72 Euro.

krankenkassenRATGEBER: Wer hat Anspruch auf die Prämie und auf welchem Weg kann man diese erhalten?

Björn Hansen: Grundsätzlich jedes beitragspflichtige Mitglied. Für beitragsfreie Zeiten - zum Beispiel bei Bezug von Mutterschaftsgeld oder in der Elternzeit dürfen wir allerdings aus rechtlichen Gründen keine Prämie auszahlen. Dies gilt auch für Personen, deren Beiträge durch Dritte getragen werden, beispielsweise beim Bezug von Arbeitslosengeld. Arbeitnehmer, Studenten, Selbständige oder Rentner können sich aber in jedem Fall auf eine Prämie freuen.

krankenkassenRATGEBER: Haben auch Versicherte, die sich erst im kommenden Jahr für die BKK Wirtschaft & Finanzen entscheiden, die Möglichkeit eine Prämie zu erhalten?

Björn Hansen: Ja, Neukunden bekommen ihre Prämie anteilig ausgezahlt. Wer beispielsweise im Januar bei seiner bisherigen gesetzlichen Krankenkasse kündigt und damit zum 1. April Mitglied wird, erhält eine Prämie von 54 Euro. Denn je Kalendermonat werden 6 Euro ausgezahlt.

krankenkassenRATGEBER: Was macht die BKK Wirtschaft & Finanzen Ihrer Meinung nach für Versicherte – neben der Prämienausschüttung – besonders attraktiv?

Björn Hansen: Die Attraktivität der BKK Wirtschaft & Finanzen ist seit jeher nicht einzig und allein an der Prämie ausgerichtet. Wir definieren uns über Leistungsstärke und betrachten die Prämienzahlung nur als Bonbon. Denn unsere Satzung enthält viele Mehrleistungen, beispielsweise bei Haushaltshilfe oder häuslicher Krankenpflege. Auch die besonderen Möglichkeiten von Versorgungsprogrammen für chronisch Kranke oder für qualitativ hochwertige zahnmedizinische Leistungen „made in Germany“ nutzen wir aus. Hinzu kommen Innovationen wie unser einzigartiges Bonusprogramm zur Befreiung von allen Praxisgebühren beim Haus-, direkten Fach- und Zahnarztbesuch. Wir verzichten dabei in der Kommunikation bewusst auf reine Marketinggags für neue Kunden und informieren auch unsere Stammkunden stattdessen regelmäßig und ausführlich über ihre Ansprüche. Wir versprechen zudem nur, was wir auch halten können.

krankenkassenRATGEBER: Kein Zusatzbeitrag und sogar eine Prämie! – Ein positiver Trend, über den sich sicherlich jeder Versicherte freut. Über welche positiven Neuerungen können sich die Mitglieder der BKK Wirtschaft & Finanzen zudem zukünftig noch freuen?

Björn Hansen: Das zum 1. Januar 2011 in Kraft tretende Versorgungsstrukturgesetz gibt allen gesetzlichen Krankenkassen eine Reihe neuer Möglichkeiten der Differenzierung. Auch die BKK Wirtschaft & Finanzen wird noch im Jahr 2012 entsprechende Akzente setzen. Wir setzen aber auch hier nicht auf Schnellschüsse, sondern entwickeln gerade ein Konzept für sinnvolle Schwerpunkte einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung.

krankenkassenRATGEBER: Bis zum Ende des Jahres rechnen Experten mit einem Überschuss im Gesundheitsfond von über 4 Milliarden Euro. Glauben Sie, dass sich diese positive Gesamtentwicklung auch im kommenden Jahr halten wird?

Björn Hansen: Zusatzbeiträge haben sich in den vergangenen beiden Jahren zu wahren Richtbeilen für angeschlagene Krankenkassen entwickelt. Anstelle des notwendigen Kapitalaufbaus verschärften Kündigungswellen deren finanzielle Lage zum Teil dramatisch. In der Hoffnung auf ausreichende Mittel aus dem Gesundheitsfonds planen nun fast alle betroffenen Kassen den Wegfall ihrer Zusatzbeiträge im Verlauf des Jahres 2012 ein. Die nur sehr schwer vorab kalkulierbare Wirkungsweise des Zuweisungsalgorithmus scheint dabei offenkundig als größter finanzieller Einflussfaktor von der Angst um weitere Mitgliederverluste verdrängt worden zu sein.
Doch höhere Ausgaben und niedrigere Einnahmen können den Gesundheitsfonds in der Tat schnell wieder unter Druck setzen. Denn die knapp vier Milliarden Euro entsprechen letztlich nur einem Puffer von zwei Prozent. Da für 2012 geplante Einnahmen von 186 Milliarden Euro  Ausgaben von 185 Milliarden Euro gegenüber stehen, wird dieser Puffer auch trotz der für sich allein betrachtet zunächst gigantisch wirkenden Zahl nicht wirklich größer. Da 2013 aber die nächsten Bundestagswahlen anstehen, ist die Wahrscheinlichkeit aber groß, dass auftretende Löcher kurzfristig durch höhere Steuerzuschüsse gestopft werden.

krankenkassenRATGEBER: Als Konsequenz aus den Schließungen der City BKK und BKK für Heilberufe hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung die Bundesregierung aufgefordert, den gesetzlichen Krankenkassen ihre Beitragsautonomie zurück zu geben. Haben Sie auch den Wunsch, dass die Krankenkassen ihren Beitragssatz zukünftig wieder selbst festlegen können?

Björn Hansen: Die Haushaltsplanung der BKK Wirtschaft & Finanzen berücksichtigt die verschiedenen Risikofaktoren einer weitestgehend fremdbestimmten Einnahmenseite so angemessen und seriös wie möglich. Zu diesen gehören neben den Schließungskosten für kassenartinterne Haftungsfälle schon seit vielen Jahren auch Ausgaben für finanzielle Hilfen.
In den Chor der Anhänger von Zusatzbeiträgen und Prämien stimme ich aber trotz unseres aktuellen Wettbewerbsvorteils nicht ein. Als Vertreter einer mittelständischen Betriebskrankenkasse setze auch ich mich weiterhin für die Rückkehr zur Finanzautonomie auf Basis individueller Beitragssätze ein. Denn durch die Prämienzahlung können unsere Mitglieder die Mehrbelastung des Einheitsbeitragssatzes teilweise kompensieren. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

 

Das Interview führte Constanze Dewald

 
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