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Im Interview: Birgit Fischer - Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK

Image 26.04.2010 

Birgit Fischer steht an der Spitze der größten Krankenkasse Deutschlands - der BARMER GEK . Die SPD-Landtagsabgeordnete und ehemalige NRW-Gesundheitsministerin spricht im Interview mit dem krankenkassenRATGEBER über ihre ehrgeizigen Pläne, die BARMER GEK auch zur besten Krankenkasse zu machen.

krankenkassenRATGEBER: Die Ersatzkassen schlossen das Jahr 2009 mit einem dreistelligen Millionendefizit ab. Die DAK reagierte mit der Einführung eines Zusatzbeitrages. Wird die BARMER GEK wie angekündigt bald nachziehen oder lässt sich die Mehrbelastung aufgrund des überraschend positiven Arbeitsmarktes in diesem Jahr doch noch vermeiden ?

Birgit Fischer: Zunächst einmal: Die monatlichen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds stehen für 2010 fest, auch die stabile Lage am Arbeitsmarkt ändert daran nichts. Die entscheidenden Faktoren für einen Zusatzbeitrag sind Ausgabenentwicklung und Rücklagen einer Krankenkasse. Die BARMER GEK agiert wirtschaftlich und hat noch Polster. Aktuell müssen wir uns mit dem Thema Zusatzbeitrag nicht beschäftigen. Allerdings lässt sich die Ausgabendynamik schwer vorhersagen. Auch wissen wir nicht, welche Einsparungen der Gesetzgeber kurzfristig auf den Weg bringt. Eine Prognose für das Gesamtjahr wäre zu diesem Zeitpunkt also verfrüht beziehungsweise unseriös.

krankenkassenRATGEBER: Sie haben es sich zum persönlichen Ziel gemacht, die BARMER GEK zur besten Krankenkasse hierzulande zu machen. In welchem Zeitraum möchten Sie das bewirken und wo setzen Sie dabei Prioritäten ?

Unsere Versicherten sollen den besten Gesundheitspartner an ihrer Seite haben. Das Ziel ist ehrgeizig aber erreichbar. Am Zuspruch der Versicherten lässt sich viel ablesen und natürlich wollen wir weiter wachsen. Derzeit freuen wir uns über rund 150.000 Neuzugänge seit Anfang des Jahres. Noch wichtiger ist uns aber die Kundenzufriedenheit unserer 8,5 Millionen Versicherten. Sie wird in vielfältigen Befragungen und Tests regelmäßig nachgewiesen und ist ein verlässlicher Gradmesser für Erfolg. Wir geben uns zwei Jahre Zeit, um unserem Qualitätsanspruch gerecht zu werden.

krankenkassenRATGEBER: Bislang gibt es bei der BARMER GEK keine einheitliche Website, keinen Hausarztvertrag, keine kostenlosen Reiseschutzimpfungen, kein jährliches Hautkrebsscreening. Zudem droht der angekündigte Zusatzbeitrag. Auf welchen Gebieten und für welche Zielgruppen sehen Sie die BARMER GEK zum jetzigen Zeitpunkt schon als führend bzw. einmalig an ?

Einspruch in sämtlichen Punkten! Unser Vereinigungsprozess kommt gut voran. Der einheitliche Webauftritt ist seit letzter Woche geschafft, für den Herbst erwarten wir einen kompletten Relaunch. Unser altersunabhängiges Hautkrebsscreening beim Dermatologen stellt eine at­traktive Mehrleistung für alle Versicherten dar. Auch berücksichtigen wir die Reiseschutzimpfungen weiterhin im Rahmen von Präventionsleistungen.

Die Hausarztverträge sind ein politischer Sonder- und Sündenfall. Der Gesetzgeber hat uns Vertragspartner und Verträge aufgezwungen, die zusätzliche Kosten produzieren. Als Wegbereiter der hausarztzentrierten Versorgung stehen wir zur Idee des Hausarztes als Systemlotsen. Aber die neuen Verträge sind zu teuer und Qualitätseffekte bleiben fraglich. Berechnungen für 8,5 Millionen BARMER GEK Versicherte ergeben, dass bei einer Teilnehmerquote von 20 Prozent jährliche Mehrausgaben von rund 70 Millionen Euro zu erwarten sind.

Wir punkten auf vielen anderen Feldern. Mit 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an über 1000 Standorten sind wir flächendeckend präsent. Gesundheitskompetenz kommt direkt zum Versicherten und ist überall vor Ort. Wir sind ein Krankenversicherer für die ganze Familie und alle Lebenslagen. Ob zusätzliche Vorsorgeleistungen für Kinder und Jugendliche, der Test zum Schwangerschaftsdiabetes oder zusätzliche Präventionsleistungen im Alter, im individuellen Beratungsgespräch bieten wir den passenden Vorteil.

krankenkassenRATGEBER: Ursprünglich aus der Politik kommend, sind Sie es gewohnt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. So haben Sie das Gesundheitswesen als „Reparaturbetrieb“ bezeichnet und den Zusatzbeitrag als „Verwaltungswahnsinn“. Wie sehen Sie die Reformpläne der schwarzgelben Koalition – Stichwort Kopfpauschale ?

Die aktuellen Pläne zur Arzneimittelversorgung gehen in die richtige Richtung. Wir werden sehen, was sich davon im Gesetzestext wiederfindet. Insbesondere der erhöhte Herstellerrabatt und der vorgeschlagene Schnelltest von neuen teuren Arzneien vor Markteintritt dürfen jetzt nicht wieder weichgespült werden. Auch bräuchte es entsprechende Reformanstrengungen bei Apotheken, Ärzten und Kliniken.

Aus unserer skeptischen Haltung zur einkommensunabhängigen Kopfpauschale haben wir nie einen Hehl gemacht. Sie hat ganz offensichtlich ein Gerechtigkeitsproblem, entlastet werden vor allem mittlere und höhere Einkommen. Außerdem fehlt die Gegenfinanzierung. Aber mit jeder neuen Steuerschätzung und mit Wahlterminen kehrt in FDP und CDU auch der Realitätssinn zurück, vom Systemwechsel ist längst keine Rede mehr.

krankenkassenRATGEBER: Für die Krankenkassen fordern Sie generell mehr Gestaltungsfreiheiten ein – auch und vor allem im Sinne des Patienten. Welche Vision für ein funktionierendes Gesundheitssystem hätten Sie als ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin und heutige Top-Managerin anzubieten ?

Gesundheit und Solidarität gehören zusammen. Auf dieser Basis lässt sich die Gesundheitskompetenz des Einzelnen fördern und eine nachhaltige Gesundheitskultur aufbauen. Eine Gesellschaft des längeren Lebens sollte auch einen Zugewinn an Lebensqualität ermöglichen. Das bedeutet natürlich Teilhabe am medizinischen Fortschritt. Aber Gesundheit ist nicht nur ein medizinisches Phänomen, sie ist genauso kulturelles Geschehen. Sie entsteht nicht durch den Arztbesuch, sondern über Wissen, Initiative und Netzwerke. Hier müssen wir ansetzen und partnerschaftlich nach neuen Strategien suchen. Das Gesundheitswesen sollte weniger Haifischbecken und mehr Delfinschau oder Korallenriff sein. 

Das Interview führte Jörg Wunderlich

 

Alle Infos zur BARMER GEK im Kassenprofil 

 

 

 
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