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Im Interview: BARMER GEK-Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Straub

Christoph Straub 28. September 2011

Die BARMER GEK ist Deutschlands größte gesetzliche Krankenkasse. Sie bietet eine Vielzahl von verschiedenen Leistungen – bislang ohne einen Zusatzbeitrag zu erheben. Doch wie sehen die Zukunftspläne der Kasse aus? Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Straub spricht im Interview über mögliche Neuerungen, die finanzielle Situation der Kasse und das neue Arztnavi.

KrankenkassenRATGEBER: Mehrere Krankenkassen können bereits jetzt die Erhebung eines Zusatzbeitrags für 2012 ausschließen – einige sogar für 2013. Kann die Barmer GEK ihren Versicherten ein ähnliches Versprechen machen?

Dr. Christoph Straub: Die BARMER GEK wird ebenso wie in diesem Jahr auch in 2012 von ihren Versicherten keinen Zusatzbeitrag erheben. Aussagen für die darauffolgenden Jahre sind unseriös, denn niemand kann heute vorhersagen, wie die Finanzsituation der Gesetzlichen Krankenversicherung zu diesem Zeitpunkt sein wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Wirtschaftlage in Deutschland, Europa und weltweit, und diese ist ebenso wenig seriös vorhersehbar.

KrankenkassenRATGEBER: Laut einigen Experten ist es durchaus möglich, dass der Zusatzbeitrag in den nächsten Jahren auf 70 Euro pro Monat steigt. Halten Sie diese Prognose für eine realistische Einschätzung?

Dr. Christoph Straub: Nein. Die BARMER GEK hat für dieses Jahr den Zusatzbeitrag ausgeschlossen. Und auch für 2012 gibt es keinen Handlungsbedarf. Sowohl Finanz- als auch Mitgliederentwicklung laufen bei uns ausgesprochen positiv. Insofern gibt es keine Veranlassung, über Zusatzbeiträge nachzudenken.

KrankenkassenRATGEBER: Nach eigenen Angaben hat die Barmer GEK im ersten Quartal einen deutlichen Überschuss erwirtschaftet. Glauben Sie, dass die Barmer GEK diesen erfreulichen Trend zukünftig halten kann?

Dr. Christoph Straub: Die positive Finanzentwicklung geht bei der BARMER GEK mit einer Straffung der Organisationsstruktur einher. Wir setzen heute bereits die Weichen für eine weitere Stärkung des Finanzhaushaltes in den kommenden Jahren. Die BARMER GEK ist eine der wirtschaftlich stabilsten und leistungsstärksten Krankenkassen in Deutschland. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

KrankenkassenRATGEBER: Was ist Ihrer Meinung nach der ausschlaggebende Grund dafür, dass momentan so viele Krankenkassen mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben?

Dr. Christoph Straub: Die Solidität einer Kasse hängt in erster Linie mit langfristig klugem Wirtschaften und einem erstklassigen Leistungsportfolio zusammen. Dies gilt umso mehr, wenn man eine ausgabenintensive Versichertenstruktur hat. Noch mehr als gesetzliche Krankenkassen geraten zunehmend private Krankenversicherer unter finanziellem Druck. Das hat einen einfachen Grund: Die private Krankenversicherung ist eine reine Bezahlkasse, die keinen Einfluss auf die Versorgungsgestaltung und -qualität nimmt. Die BARMER GEK als gesetzliche Krankenversicherung betreibt hingegen professionelle Versorgungsforschung und aktives Versorgungsmanagement. Wir schließen Verträge mit Leistungserbringern und bestimmen Qualität sowie Preise mit.

KrankenkassenRATGEBER: Die Kassenlandschaft ist momentan durch eine Vielzahl von Fusionen geprägt. Zieht die Barmer GEK in naher Zukunft auch einen Zusammenschluss in Betracht?

Dr. Christoph Straub: Wir sind sehr froh und stolz, die Vereinigung von BARMER und GEK zur größten deutschen Krankenkasse erfolgreich gemeistert zu haben. Die Fusionsentwicklung ist allerdings noch nicht gänzlich abgeschlossen, sodass der Blick zunächst auf uns selber gerichtet ist. Das heißt jedoch nicht, dass weitere Zusammenschlüsse für die Zukunft ausgeschlossen sind.

KrankenkassenRATGEBER: Die Barmer GEK hat ihren Versicherten als erste Ersatzkrankenkasse auf ihrer Internetplattform einen sogenannten Arztnavigator angeboten. Wie kommt diese zusätzliche Informationsquelle auf der Suche nach einem geeigneten Arzt bei den Versicherten an?

Dr. Christoph Straub: Das Arztnavi ist ein voller Erfolg. Allein in den ersten drei Monaten hat das Portal drei Millionen Besucher verzeichnet, mehr als 80.000 Bewertungen wurden abgegeben. Unsere Versicherten wollen ihre Ärzte beurteilen und sich Informationen über die Qualität ärztlicher Leistung einholen können. Der Erfolg hängt auch damit zusammen, dass die Ärzteschaft die Entwicklung des Arztnavis aktiv begleitet hat.

KrankenkassenRATGEBER: Nun ist ein weiteres Produkt auf dem Markt: Der vdek-Arztlotse. Dieser steht zurzeit heftig in der Kritik. Können Sie dies im Hinblick auf die Unterschiede zu dem von ihnen angebotenen Arztnavigator nachvollziehen?

Dr. Christoph Straub: Ein wesentliches Erfolgskriterium unseres Arztnavis ist die faire Leistungs- und Servicebeurteilung. Versicherte müssen sich registrieren, bevor sie einen Arzt bewerten. Zudem sind Mehrfachbewertungen ausgeschlossen ebenso wie Schmähkritik. Denn Freitextfelder, die bei anderen Portalen für herabwürdigende Äußerungen missbraucht werden können, gibt es bei uns nicht. Manipulationen und Pöbeleien sind beim BARMER GEK-Arztnavi nicht möglich.

KrankenkassenRATGEBER: Auf welche zusätzlichen Angebote und Neuerungen können sich die Versicherten der Barmer GEK zukünftig freuen?

Dr. Christoph Straub: Die BARMER GEK bereitet zurzeit eine ganze Fülle an neuen Angeboten vor. Hervorheben möchte ich unsere Praxishilfen bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Angesichts der demographischen Entwicklung müssen immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Spagat zwischen Beruf und Pflege bewältigen. Wir helfen hierbei Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen, indem wir Ratgeber für pflegende Angehörige anbieten, Leitlinien für Führungskräfte in Unternehmen erarbeiten und Informationsveranstaltungen vor Ort durchführen. Auch für Eltern wird es demnächst einen neuen Service geben. Gemeinsam mit der Berliner Charité testen wir unser Projekt „Mybabywatch“, das Eltern die Möglichkeit bietet, ihr zu früh oder krank geborenes Kind virtuell rund um die Uhr von zu Hause aus zu besuchen. Das soll helfen, in dieser schwierigen Situation die Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen und zu vertiefen.


Das Interview führte Constanze Dewald

 
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