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Gerd Ludwig, Vorstandsvorsitzender IKK classic, zur Fusion mit Vereinigter IKK

Gerd Ludwig 01. August. 2011

Gerd Ludwig, Vorstandsvorsitzender der IKK classic, zur guten wirtschaftlichen Situation der IKK classic, der Fusion mit der Vereinigten IKK und den Neuerungen für die Versicherten, die aus diesem Zusammenschluss entstehen. Ein ausführliches Interview, das ein deutliches Bild einer wirtschaftlich gut aufgestellten Krankenkasse färbt und die möglichen, positiven Folgen von Fusionen für Versicherte deutlich macht.


krankenkassenRATGEBER:
Die IKK classic hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend unter den Top-Unternehmen der gesetzlichen Krankenversicherungen etabliert und auch in Zeiten von drohenden Kassenpleiten und Zusatzbeiträgen, scheint sie auf eine gute finanzielle Basis zurückgreifen zu können. Was ist das Geheimrezept?

Gerd Ludwig: Die IKK classic ist nicht zuletzt deshalb wirtschaftlich gut aufgestellt, weil wir immer schon auf eine ausgewogene Zusammensetzung und eine breite regionale Verteilung unserer Versichertengemeinschaft geachtet haben. Deshalb können wir heute Belastungen, die gelegentlich an der einen Stelle auftreten, durch entsprechende Entlastungen an anderer Stelle ausgleichen. Dieses für alle Solidarsysteme elementare Gleichgewicht immer wieder herzustellen, ist eine anspruchsvolle, sensible Managementaufgabe, die wir in unserem Haus ernst nehmen und professionell angehen. Darüber hinaus stehen wir als berufsständische Krankenversicherung in der Tradition von Handwerk und Mittelstand. Zu dieser Tradition zählen striktes Kostendenken, Bodenständigkeit und eine gewisse Reserve gegenüber Experimenten, insbesondere wenn sie die Finanzen anderer betreffen. Sollte es also ein Geheimrezept geben, wäre dies wohl die spezielle Bindung an mittelständische Geschäftstugenden, die aus unserem engen Kontakt mit dem Handwerk entstanden ist und sich täglich erneuert.    

krankenkassenRATGEBER: Nun hat die IKK classic einen großen Schritt in eine neue Zukunft gewagt. Doch die Fusion mit der Vereinigten IKK war ja keineswegs von Anfang an eine klare Entscheidung. Welche Kriterien haben nun doch zu einem positiven Ergebnis der Verhandlungen geführt – konnte die Vereinigte IKK die Auflagen schlussendlich erfüllen?

Gerd Ludwig: Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir wollten sicher sein, dass wir die Erfolgsgeschichte der IKK classic auch in einem dann noch mal deutlich größeren Unternehmen fortschreiben können. Dazu mussten wir über die Struktur der neuen Kasse Einigkeit erzielen. Ein solcher Klärungsprozess verlangt Grundsatzentscheidungen, die man nur am Anfang treffen kann. Wer ein solides Ergebnis will, ist gut beraten, zu Beginn ausreichend Zeit zu investieren, um die Fundamente für ein solches Großvorhaben penibel zu justieren. Später ist das – wie beim Hausbau – nämlich oft nicht mehr möglich. Nach allen Erfahrungen, die ich aus einer Reihe von Fusionen gewonnen habe, zahlt sich diese anfängliche Sorgfalt immer aus, und erspart manch unliebsame Überraschung.

krankenkassenRATGEBER: Würden Sie die Fusionsverhandlungen abschließend als in Ihrem Sinne erfolgreich bezeichnen?

Gerd Ludwig: Für alle wichtigen Themen haben wir gemeinsam gute Lösungen gefunden, die uns in die Lage versetzen, unsere künftige Rolle als sechstgrößte deutsche Krankenkasse und als größte handwerkliche Krankenversicherung erfolgreich zu gestalten. Diese Aufgabe können wir jetzt mit Elan und Zuversicht anpacken, weil wir eine Ausgangsbasis haben, bei der beide Partner ihre bisherigen Stärken wirkungsvoll zur Geltung bringen können. Wir haben zum Beispiel kaum Überschneidungen bei unseren bisherigen Geschäftsregionen, also eine geradezu perfekte Ergänzung in der Flächenabdeckung.    

krankenkassenRATGEBER: Was erwarten die rund 3,6 Millionen Versicherten bei der Neuauflage der IKK classic, beziehungsweise welche Vorteile bietet die neue Nummer sechs unter den gesetzlichen Krankenkassen?

Gerd Ludwig: Zukünftig stehen den Kunden mehr als 500 Geschäftsstellen für die wohnortnahe Betreuung zu Verfügung. In Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, im Rheinland und in Thüringen sind wir vor Ort präsent – und zwar in enger Anbindung an die regionalen Handwerksorganisationen. Die handwerkliche Krankenversicherung erhält damit eine neue Dimension und ein deutlich stärkeres politisches Gewicht. Dies zahlt sich auch für die Kunden, für Versicherte wie für Arbeitgeber aus: durch mehr Leistungen und mehr Service. Schon jetzt profitieren die ehemaligen Versicherten der Vereinigten IKK beispielsweise davon, dass sie bei der IKK classic künftig Anspruch auf homöopathische ärztliche Behandlungen haben, die einfach über die Versichertenkarte abgerechnet werden; oder davon, dass sie künftig an einem der umfangreichsten Bonus-Systeme teilhaben können. Durch die gewachsene Größe wächst auch der Spielraum in Vertragsverhandlungen, also die Chance, beste Konditionen für die medizinische Versorgung der Versicherten zu erreichen. Und augenfällig ist sicherlich ein sehr handfester Vorteil: Einen Zusatzbeitrag müssen die Kunden der IKK classic auf absehbare Zeit nicht befürchten.       

krankenkassenRATGEBER: Bereits zu Beginn dieses Jahres garantierten Sie ihren Versicherten im Jahr 2011 und auch im kommenden Jahr ausnahmslos auf Zusatzbeiträge zu verzichten. Wie können Sie dieses Versprechen, trotz der Fusion mit der Vereinigten IKK, auch weiterhin halten?

Gerd Ludwig: Die IKK classic steht finanziell ausgezeichnet da. Der Krankenkassen-Spitzenverband, dem die aktuellen Finanzdaten aller deutschen Krankenkassen vorliegen, bewertet uns in seinem Rating als eine von wenigen Kassen mit der höchsten Stufe wirtschaftlicher Bonität. Das Jahr 2010 haben wir mit einem Überschuss der Einnahmen von rund 77 Millionen Euro abgeschlossen; im ersten Quartal des laufenden Jahres verzeichnen wir einen Überschuss von rund 67 Millionen Euro. Wir verfügen zudem über ausreichend Rücklagen. Daher können wir den mit dieser Fusion verbundenen finanziellen Verpflichtungen ohne Probleme nachkommen. Unsere Aussage, auf absehbare Zeit keinen Zusatzbeitrag zu benötigen, gilt deshalb ohne Einschränkung weiter – und künftig eben erfreulicherweise auch für alle zuvor bei der Vereinigten IKK versicherten Kunden.

krankenkassenRATGEBER: Neben den Diskussionen über zahlreiche Fusionen im Rahmen dessen auch die IKK classic immer wieder Erwähnung findet, gibt es noch ein weiteres, aktuelles Thema im Gesundheitswesen: Der von dem Gesundheitsminister Daniel Bahr eingeräumte Gestaltungsspielraum der Zusatzleistungen. Wird die neue IKK classic von diesem neuen Freiraum Gebrauch machen und wenn ja, mit welchen besonderen Leistungen können die Versicherten zukünftig rechnen?

Gerd Ludwig: Die Vorgaben der Politik sind derzeit noch nicht hinreichend konkret, wir wissen also nicht, wie das Ergebnis der geplanten Gesetzgebung am Ende aussehen wird. Sicher ist aber, dass wir auch künftig mögliche Freiräume offensiv zu Gunsten unserer Kunden nutzen werden. 

krankenkassenRATGEBER: Bereits 2010 gab es ja eine Fusion im Hause der IKK classic. Wird es nun vorerst bei dieser Fusion bleiben oder gibt es Optionen auf weitere Zusammenschlüsse?

Gerd Ludwig: Fusionen zwischen Krankenkassen werden in den nächsten Jahren ein Thema bleiben, ihre Dynamik könnte sogar noch zunehmen. Auch wenn uns derzeit unser aktueller Zusammenschluss beschäftigt, will ich für die Zukunft nicht ausschließen, dass die IKK classic, wenn die Voraussetzungen stimmen, weitere Kassen als Fusionspartner aufnimmt. Dabei denke ich aber weniger an Großfusionen, sondern eher an die Verbindung mit kleineren Organisationen, die zum Beispiel für die Abrundung des regionalen Angebots hilfreich sein könnten.

Das Interview führte Constanze Dewald

 
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