In den letzten Wochen wurden ungewöhnlich viele Infektionen mit dem EHEC-Darmbakterium gemeldet. Die Behörden und Ärzte, sowie viele Menschen sind zunehmend besorgt. Fieberhaft wird nach der Ursache der schweren Durchfallepidemie gesucht. Die Experten haben vor allem den Bereich Rohkost im Verdacht. Gesundheitsämter raten den sorgsamen Umgang mit Gemüse und der eigenen Hygiene.
Die Durchfallepidemie, die vor allem Menschen in Norddeutschland stark beunruhigt, hat bereits ihre ersten Todesopfer gefordert: Eine 83-jährige Frau starb, nachdem sie wegen blutigen Durchfalls in eine Klinik in Niedersachsen eingeliefert wurden, nachweislich an dem EHEC-Erreger (Enterohämorrhagische Escherichia coli). Auch eine 24-Jährige, die zunächst nur über heftigen Durchfall klagte, starb. Sie litt jedoch an HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Komplikation, die in schätzungsweise zehn Prozent der EHEC-Infektionen auftritt. Und auch in Schleswig-Holstein wurde ein Todesfall gemeldet. Ob die 80-jährige Seniorin, die mit dem EHEC-Bakterium infiziert war, jedoch tatsächlich daran starb, steht noch nicht fest. Zahl der Erkrankten wächst Aufgrund der ersten Todesopfer und der steigenden Zahl der Erkrankungen wächst die Besorgnis. Es scheint unaufhaltsam: Kaum wird die Zahl der Infizierten durch die Behörden bekannt gegeben, ist sie schon um ein vielfaches gestiegen. Krankenhäuser, Gesundheitsämter und Ärzte sind alarmiert. Da der Verlauf der Erkrankung unterschiedlich ist und Menschen mit einem milden Krankheitsverlauf oftmals gar nicht merken, dass sie infiziert sind, lässt sich die Zahl der Erkrankungen nur schwer einschätzen. Neben dem milden Krankheitsverlauf, der sich nur in leichtem Durchfall äußert, gibt es auch einen sehr schweren Krankheitsverlauf. Bei diesem wird der ganze Körper durch die Erreger befallen, was am Ende zu Nierenversagen und damit zum Tod des Erkrankten führen kann. Erreger ist vermutlich im Bereich Rohkost zu finden Während früher der EHEC-Erreger vor allem Kindern zusetze, sind es nun größtenteils Frauen, die sich infizieren. Dies lässt die Vermutung nahe, dass die Infektion auf ein Nahrungsmittel zurückzuführen ist, in dem sich das Bakterium befindet. Da Kinder und Männer deutlich seltener betroffen sind, handelt es sich dabei vermutlich um ein Nahrungsmittel, das vor allem Frauen konsumieren. Momentan vermuten Experten, dass der Erreger im Bereich Rohkost zu finden ist. Fieberhaft suchen sie mittels unterschiedlicher Verfahren nach dem Erreger. Joghurt, Frischkäse, Fleisch und Rohmilch konnten größtenteils schon ausgeschlossen werden. Zudem geht man davon aus, dass es sich nicht um ein alltägliches Produkt handelt, welches in jedem Supermarkt zu finden ist. Wäre dies der Fall, wäre die Zahl der Infizierten schon deutlich höher. Schon bei früheren Ausbrüchen des Durchfallskeims, konnte der Erreger bei Gemüsesorte gefunden werden. Doch bis jetzt konnte die Quelle der Erkrankung noch nicht ausgemacht werden. Vorsicht ist wichtig - vor Panikmache wird gewarnt Aus diesem Grund rufen die Gesundheitsämter zu einem sorgsamen Umgang mit der eigenen Hygiene und mit frischen Lebensmitteln auf. Obst und Gemüse sollte vor dem Verzehr gut gewaschen werden und das Fleisch gut durchgegart sein, bevor man es unbedenklich genießen kann. Zudem soll Milch nur nach Wärmebehandlung verzehrt werden. Doch auch die Küchengeräte, die zur Verarbeitung der Nahrungsmittel verwendet werden, müssen gründlich gereinigt werden. Neben der richtigen und sorgsamen Verarbeitung der Lebensmittel, ist jedoch auch die eigene Hygiene wichtig. Da die Hände oft als erstes mit den Bakterien in Berührung kommen, ist ein gründliches Händewaschen unausweichlich. Bei Kindern sollte man zur Vermeidung der EHEC-Erreger zusätzlich Streichelzoos und Bauerhöfe meiden. Zudem sollten Kinder die Finger nicht ungewaschen in den Mund stecken. Neben einer gewissen Vorsicht, ist jedoch vor Panik und Panikmache dringend zu warnen.Das Robert Koch-Institut hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 in Deutschland jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert. |