Startseite
Gesundheit
Arzt und Patient
Medikamente und Co
Gesetzlich versichert
Privat versichert
Service
Webmastertools
Feedback
Impressum
Sitemap
Suche

Vorgestellt
News:    
AktuellGesundheitArzt + PatientMedikamenteGKVPKVLeserfragen

eGK-Experte Ingo Bettels ( KKH Allianz ) über den Rollout der Elektronischen Gesundheitskarte 2011

Image15.03.2011

Noch in diesem Jahr werden Millionen Versicherte die neue Elektronische Gesundheitskarte (eGK) erhalten, welche die heute geltenden Chipkarten ablöst. Ingo Bettels, eGK-Experte bei der KKH-Allianz , beantwortet Fragen rund um den Einsatz der neuen Technologie.

krankenkassenRATGEBER: Gesundheitsminister Philipp Rösler hat die Ausstattung von 10 Prozent aller Versicherten mit der elektronischen Gesundheitskarte noch in diesem Jahr verordnet. Wann bekommen die 200.000 Kunden der KKH-Allianz, die das betrifft, ihre eGK zugesandt?

Ingo Bettels ( KKH-Allianz ): Die Vereinbarungen mit den Ärzte- und Zahnärzteverbänden regeln, dass ab 1. Oktober dieses Jahres die eGK bundesweit als Anspruchsausweis neben der Krankenversichertenkarte eingesetzt werden kann. Bis dahin sollen alle Ärzte und Zahnärzte über neue Lesegeräte und eine angepasste Praxisverwaltungssoftware für die eGK verfügen. Für die Region Nordrhein gilt dies bereits jetzt. Um die Produktionsprozesse zu entzerren, wird die KKH-Allianz möglichst frühzeitig mit der Ausgabe der neuen Gesundheitskarte beginnen. Zuvor müssen wir jedoch die dafür benötigten Lichtbilder einholen. In Nordrhein starten wir diesen Prozess voraussichtlich im Juni. Wer ein Lichtbild eingereicht hat, bekommt anschließend unverzüglich die eGK zugeschickt.
Die große Mehrzahl der Karten wird sicher von Oktober bis Ende 2011 verschickt werden.

krankenkassenRATGEBER: Wie erfolgt die Auswahl der besagten 10 Prozent aller Versicherten?

Ingo Bettels ( KKH-Allianz ): Bei der Auswahl der Versicherten legen wir keine bestimmten Kriterien zugrunde. Grundsätzlich ist ja die eGK für jeden Versicherten vorgesehen. Wir orientieren uns vielmehr am Ausstattungsgrad der Ärzte und Zahnärzte mit Lesegeräten. Wo die Versorgung mit Lesegeräten hoch ist, werden auch Karten an die Versicherten ausgegeben. Wir möchten möglichst vermeiden, dass Versicherte auf Behandler treffen, die eine eGK nicht einlesen können. Die regionale Steuerung erfolgt über die Postleitzahl. Beginnen werden wir in Bereichen von Nordrhein.
Selbstverständlich gilt außerdem: Wer eine eGK haben möchte und z. B. sein Lichtbild über unser Online-Servicezentrum hochgeladen hat, dem wird sie zugeschickt.

krankenkassenRATGEBER: Bleibt die alte Chipkarte weiterhin gültig und wenn ja, wie lange?

Ingo Bettels ( KKH-Allianz ): Die Krankenversichertenkarte bleibt bis auf Weiteres neben der eGK gültiger Anspruchsausweis. Niemand muss befürchten, dass er damit nicht mehr behandelt wird. Wer jedoch eine eGK erhält, sollte diese ab 1. Oktober auch einsetzen und seine alte Karte an seine Kasse zurückschicken. Frühestens ab Anfang 2013 können die zuständigen Vertreter von Krankenkassen und Ärzten gemeinsam beschließen, dass die eGK alleiniger Anspruchsausweis in Arzt- und Zahnarztpraxen wird.

krankenkassenRATGEBER: Welche Funktionen wird die neue Chipkarte bereithalten und welche Rolle spielt das exklusiv bei der KKH-Allianz erhältliche Lesegerät dabei?

Ingo Bettels ( KKH-Allianz ): Die eGK wird leider entgegen den Forderungen der Krankenkassen bis auf weiteres über keinerlei Online-Funktionen verfügen. Das heißt, die neue Karte kann ihr Potenzial nicht ausschöpfen und nicht mehr leisten, als die heutigen Karten auch. Lediglich das Foto ist zusätzlich auf der eGK abgebildet. Selbstverständlich ist dies eine Verbesserung des Schutzes vor missbräuchlicher Leistungsinanspruchnahme.

Für die Versicherten der KKH-Allianz gibt es exklusiv jedoch weitere Möglichkeiten, die eGK einzusetzen. Mit dem IT-Sicherheitskit, einem Kartenlesegerät, das sowohl die eGK als auch den neuen Personalausweis unterstützt, wird das Login in das Online-Servicezentrum der KKH-Allianz merklich komfortabler. Dort können vielfältige Online-Angebote der KKH-Allianz genutzt werden. Übrigens auch das kostenfreie Hochladen eines Lichtbildes für die eGK. Und natürlich können die auf der eGK gespeicherten persönlichen Daten, die nicht verschlüsselt sind, eingesehen werden.

Wer über den neuen Personalausweis verfügt, kann das IT-Sicherheitskit im Internet nutzen, um sich eindeutig online auszuweisen und seinerseits die Legitimation des Anbieters von Leistungen zu überprüfen. Beispiele sind Identifizierung und Registrierung zum persönlichen Rentenkonto bei der Deutschen Rentenversicherung und die Punkteauskunft aus dem Kraftfahrt-Bundesamt.

krankenkassenRATGEBER: Die elektronische Gesundheitskarte ist nach wie vor politisch umstritten. Was tun Sie als gesetzliche Krankenkasse dafür, dass die neuen Technologien nicht wie befürchtet zum „Gläsernen Patienten“ führen?

Ingo Bettels ( KKH-Allianz ): Die eGK ist nicht politisch umstritten, sie ist gesetzlich geregelt. Umstritten ist dagegen, vor allem in der Ärzteschaft, welche Daten in der Telematikinfrastruktur mit Hilfe der eGK verfügbar gemacht werden und wem sie bereit gestellt werden dürfen. Die Angst vor dem "gläsernen Patienten" wird gerne geschürt. Doch was ist der gläserne Patient? Negativ besetzt wird diese Bezeichnung dadurch, in dem suggeriert wird, sensible medizinische Daten würden, womöglich sogar gegen den Willen des Betroffenen, Institutionen verfügbar gemacht, die diese gegen die Interessen des Versicherten verwenden. Gegen eine derartige, missbräuchliche Verwendung von medizinischen Daten müssen verhindernde Instrumente geschaffen werden. Und das tun wir. Der Wille aller Projektteilnehmer ist, dass medizinische Daten von Patienten nur denen verfügbar gemacht werden, die dazu berechtigt sind. Zum Beispiel als Ärztin/Arzt, Zahnärztin/Zahnarzt, Apothekerin/Apotheker etc. Und das auch nur soweit, wie es die Rolle als Heilberufler erfordert. Wir sollten übrigens nicht vergessen: Die eGK ist noch einige Zeit ausschließlich offline. Es existiert noch keine Telematikinfrastruktur. Kein Arzt hat einen Heilberufsausweis. Somit können keine Daten dort verwaltet werden. Das ist noch Zukunftsmusik.

krankenkassenRATGEBER:  Welche Einspareffekte erwarten Sie mittelfristig durch die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte? Kann die eGK beispielsweise den Zusatzbeitrag der KKH-Allianz überflüssig machen?

Ingo Bettels ( KKH-Allianz ): Es gibt sicher eine Menge Ansätze, über steigende Kosten im Gesundheitswesen nachzudenken. Speziell die eGK sehen wir hier aber nicht in vorderster Front. Bei dieser technischen Weiterentwicklung geht es vor allem darum, die elektronischen Informationen im Gesundheitswesen sicher vor dem unberechtigten Zugriff zu machen und gleichzeitig für Transparenz bei den Beteiligten zu sorgen. Das ist Voraussetzung dafür, dass diese Informationen schnell, sicher, verbindlich und eindeutig ausgetauscht werden können. Und zwar bundesweit. Es ist ein Instrument, um medizinische Behandlungspfade von lokalen, kapazitativen oder qualitativen Limitierungen zu befreien.

 

Das Interview führte Jörg Wunderlich

 

 
Kasse der Woche
Anzeigen
Startseite arrow Arzt und Patient arrow elektronische Gesundheitskarte (eGK) arrow eGK-Experte Ingo Bettels ( KKH Allianz ) über den Rollout der Elektronischen Gesundheitskarte 2011  23:53    24.05.2012